Wissenswertes  :  Erfahrungsbericht
Donnerstag, 19. Oktober 2017

Erfahrungen eines Hofer Minigolfers

Angefangen hat alles damit, dass ich im Sommerurlaub mit meinem Sohn (damals 7 Jahre alt) was unternehmen wollte und da dieser den Hofer Ferienpass besaß, darin waren beinhaltet unter anderem 2 Freirunden auf dem Minigolfplatz am Untreusee, lag es nahe dies doch mal auszuprobieren. Das Wetter passte, schließlich war es August (ist leider nicht immer so) und wir machten uns mit dem Fahrrad auf den Weg zur Anlage, die wunderschön gelegen unterhalb der Staumauer in den 80´er Jahren angelegt wurde. 

In meiner Kindheit hatte ich ab und an zusammen mit den Eltern im Urlaub an der Ostsee oder auch in Hof auf der Anlage am Freibad gespielt. Und ich glaube mich zu erinnern, dass ich dabei nicht mal so schlecht abgeschnitten habe. Mit ein bisschen „Mogeln" schaffte ich es sogar unter die 30 in einer Runde zu kommen.
Auf dem Platz wurden wir von einem freundlichen Menschen, dem  Markus, empfangen. Er freute sich über unser Interesse und drückte uns einen Kinder- und einen Erwachsenenschläger, sowie zwei bunte Bälle in die Hände, zusammen mit den Schreibutensilien. So, nun gut Schlag, setze er an und wir zogen los in Richtung erster Bahn. Nun, welche Verwunderung, die Bahnen waren entgegen der üblichen Ausführung nicht als Eternitbahn ausgebildet, sondern in Beton gestaltet. Diese durfte man sogar betreten. Nun setzen wir zum ersten Schlag an. Geradeaus nur auf einer Linie - kann ja nicht so schwer sein, dachte ich mir, und schlug einfach drauf. Viel zu schnell war der Ball, in der Richtung passte es zwar, aber er glitt übers Loch und verließ die Bahn. Beim zweiten Schlag, ich machte dies wider besseren Wissens wieder vom Abschlagpunkt weg, etwas vorsichtiger, geriet der Ball leicht nach links, aber bei der Länge der Bahn gab dies natürlich doch eine große Abweichung von der Ideallinie, sodass dieser an die Bande sprang und dann nach Rücklauf ca. einen halben Meter vom Loch weg liegen blieb. Ein weiterer Versuch, den Ball von dort einzulochen war von Erfolg gekrönt, so dasa ich dachte, bist gar nicht mal so schlecht, obwohl ich schon mindestens 25 Jahre nicht gespielt hatte.

Nun war der Sohn dran. Er legte den Ball auf und stellte sich wie er sich dies von mir abgeschaut hatte mit den Füßen parallel zur Schlagrichtung und bewegte den Schläger Richtung Ball. Nun was soll ich sagen, der Ball rollte wie von einer Schnur gezogen Richtung Zielkreis und mit einem hörbaren Plopp lochte er ein. Anfängerglück dachte ich mir. Als dem Großen durfte ich mit natürlich nichts anmerken lassen, ich war aber schon ein wenig irritiert, ob der „Schlagfertigkeit" meines Nachwuchses. Bei der nächsten Bahn wollte ich dann besser sein und strengte mich ganz besonders an. Wieder eine gerade Linie, doch was war das? - Im Zielkreis standen vier Steine und der Ball prallte an einem dieser Hindernisse ab, verschlug sich Richtung Bande und blieb hinter einem der Steine liegen. Missmutig machte ich auf gute Miene, Vorbildfunktion versteht sich da von selbst, und versuchte nun den Ball frei zu schlagen, was aber nur minder Erfolg zeigte, da dieser wieder hinter einem Stein zum liegen kam. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich bei der Bahn mit den 6 maximal vorgegebenen Schlägen nicht einlochen konnte, so das auf meinem Spielzettel eine 7 notiert werden musste. Nun wieder der Sohn, obwohl ohne jegliche Erfahrung, schaffte er es zumindest mit drei Schlägen den Ball ins Loch zu befördern. Nun ich will es kurz machen, am Ende der Runde hatte ich auf meinem Spielzettel zusammen für alle 18 Bahnen einen Stand von 72 Zählern und der Sohnemann nur 67. Nun war natürlich mein Ergeiz geweckt und wir versuchten sofort noch eine Runde. Ein bisschen besser ging diese für mich aus, zumindest unter 70 Zählern, soviel will ich verraten, aber ich hatte wieder keine Chance gegen den Sohn, der mit einer Rundenzahl von 58 rekordverdächtig erschien. Eine Nachfrage beim Platzwart nach dem Platzrekord lies uns aber doch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren. 25 gab er uns zur Antwort und ich konnte erst mal nur tief durchatmen. Und nachdem ich mich wieder etwas gesammelt hatte fügte er hinzu: "aber nicht mit der normalen Bahnausrüstung, sondern nur mit speziellen Minigolfschlägern und Bällen". Als Beispiel zeigte er uns einen „Profischläger" und im Schaukasten im Inneren der zugehörigen Gaststätte eine Auswahl an Bällen. Ich hatte so etwas vorher noch nie gesehen und fragte ob wir dies nicht auch einmal mit dieser Ausrüstung probieren könnten, was er bereitwillig befürwortete. Zufällig kam damals ein älterer Herr, der Vater des Platzpächters vorbei und erklärte sich bereit uns an den Bahnen einige Tipps zu geben (wie der Schläger zu halten wäre, wohin man mir welchem Ball und welcher Stärke spielen sollte, etc.). Er selbst hatte eine ganze Tasche mit Bällen dabei, ich schätzte mindestens 50 - 60 Stück. Der Sohnemann guckte ganz interessiert!  Bunte Bälle - und gleich so viele. Der Mann suchte einige Bälle aus und ließ sie auf die Bahn fallen. Siehst du was, fragte er meinen Junior. Selbst ich sehe, dass der eine Ball mit einem dumpfen PLOPP auf der Bahn zu liegen kam. Und der andere flog herum wie Flummi. Ein anderer Ball hüpfte halbhoch, ein anderer sprang zwei, drei Mal auf und nieder auf der Bahn. Der Sohne guckte ganz interessiert - und der Golfmann erklärte: Da gibt es "Tote" und da gibt es "Sprungfreudige". Das da sind ... Also nach jeder Menge Informationen, ich kann es mir bis heute nicht wirklich merken, über Bälle, Schläger, Gummis und noch ganz andere Sachen wie Temperatur, Feuchtigkeit, Bande, Rücklauf oder Geradeausspiel, - und was weiß ich was noch alles - lächelte mein Junior mich an. Papa, sagte er, das will ich auch, und wir probierten unsere erste „Profirunde".
Der Minigolflehrer zeigte meinem Sohne einige Schläge, erklärte wo und warum man auf welcher Bahn dieser oder jener Ball besser ist, weshalb man diesen einen Ball auf diesen Punkt legen muss und erklärte genau welchen Punkt man "anvisieren" sollte , wo man die "Bande" anspielen, - wie man den Schläger halten musste, wie und auf welche Weise man mit welcher Geschwindigkeit spielen könnte. Der Junior nahm also die „richtigen"Bälle, setzte diese auf den Punkt, visierte das Loch an - oder war es die Bande oder was auch immer - und konzentrierte sich und schlug nach 5 Sekunden Konzentration - mit den ersten Schlag den  Ball - mit einem As - genau ins Loch.
Dann gab mir der Minigolfllehrer, Hans-Jürgen hieß er übrigens,  einen Schläger. "Auf", sagte er, "jetzt bist du dran". Also habe ich den Ball aufgelegt,  das Loch anvisiert. Sch ... , nicht richtig getroffen. Der Ball kam zu mir zurück. Ich hab vier  Schläge gebraucht, Nun war der Sohn bei der nächsten Bahn wieder dran und brauchte auch nur einen Schlag. Neid kam meinerseits etwas auf und der Ergeiz war geweckt. Der Minigolftrainer lachte uns an. "Jawoll", sagte er, "der Kleine hat Talent, der kann das lernen", und erwähnte so ganz nebenbei, dass man diesen Sport auch im Verein spielen könnte, mit richtigen Turnieren, Vereins- und , sogar eine Bundesliga würde es da geben und internationale Wettbewerbe wie Weltmeisterschaften. Ungläubig schüttelte ich den Kopf, aber mein Interesse war geweckt.
Mittlerweile sind rund 8 Jahre vergangen. Der Sohn und auch ich spielen noch immer Minigolf (bei Betonbahnen damals auch Bahnengolf genannt). Irgendwann musste ich ja fast täglich mit meinem Sohn auf die Anlage, Minigolfen halt. Also eines vorweg: Ich schaffe es bis heute nur ganz selten meinen Sohn zu schlagen und ehrlich gesagt - entweder ist es das Alter oder so, aber ich kann mir das mit den Bällen einfach nicht so gut merken. Der Sohn ist mittlerweile ein Experte. "Papa", sagt er, "guck mal, das ist ein 'Deutschmann' - oder das ist der Classic 3 für die und die Bahn, den musst du genau hierhin spielen, dann wird's ein As. Ich gebe mir ja alle Mühe aber mein Sohn ist mir darin wirklich meistens überlegen.
Ich hab auch zusammen mit ihm irgendwann zum ersten Mal an einem Turnier teilgenommen ("Papa, du machst da mit". Na, was soll es, dachte ich, hab ja genug Übung vom Spielen mit dem Junior. Was soll ich sagen: Das Turnier ging über 3 Runden. Eine Vereinsmeisterschaft. Bei 18 Bahnen macht das also insgesamt 54 (!) Bahnen. Und ungefähr so - bei mir 160 Schlägen mit ungefähr 10 verschiedenen Bällen oder so. Und mit über 30 Teilnehmern und Teilnehmerinnen hat das gedauert bis es fertig war. Ich auch! Fix und Fertig! Total am Ende - am Ende (des Turniers...). Morgens um neun ging es los - gegen Mittag war ich fertig, fix und alle, das Turnier nicht. Es dauerte bis ungefähr 14 Uhr ...
Mittlerweile spielen wir beide in der Landesliga zusammen mit anderen minigolfbegeisterten Mitspielern im Verein, einer Abteilung des PTSV Hof, und treten dabei im Einzel- bzw. Mannschaftswettbewerb an. Auch an  Pokalturnieren im näheren Umkreis nehmen wir teil.
Tja, der Sport ist wirklich einer. Ohne ein hohes Maß an Kondition geht es hier nicht.  Erschöpfung vom Golfen? Von Minigolf? Ja, und wie! Aber mittlerweile habe ich kapiert, dass das Leistungssport ist. Ich habe verstanden, dass das wirklich anstrengend und auch schwer sein kann. Und wisst ihr was: Das hat sogar einige andere Aspekte. Und auch wegen denen schreibe ich die hier. Der Junior ist nicht mehr so "hyperaktiv" wie früher! Und das kommt vom Minigolfen. Du lernst ja dich zu konzentrieren! Und du lernst auch, dich zu "bremsen", jeden Schlag musst du dir ganz genau überlegen, machst mathematische  "Berechnungen" -Einfalls - und Ausfallwinkel. Bei jeder Bahn, bei jedem anderen Wetter, kalt oder warm, musst du genau überlegen, welchen Ball du wie spielst. Nein, Minigolf ist nicht einfach zwischendurch einige Bälle da oder dorthin zu spielen. Du musst dabei schon alles ganz genau berücksichtigen, sonst wird das nichts gescheites!
Der Sohn hat mittlerweile diverse Titel - Schülermeister, Jugendmeister in der Landesliga und Vereinsmeister in seiner Altersklasse und bei einigen Pokalturnieren war er auch schon auf dem Treppchen gestanden.
Mittlerweile hat der „Kleine" über 80 - 100 Bälle! "Papa, ich brauch unbedingt den 83er Deutschmann in 'unlackiert', sonst kann ich die Bahn da nicht spielen", ich schau mal schnell bei Ebay rein ob ich den finde. Ein großer Teil seines Taschengeldes geht so für Equipment drauf. Aber es macht ihm viel Spass.
Und noch eines zum Schluss.  Ich habe dabei viele Menschen kennen und auch schätzen gelernt! Es ist echter Leistungssport, er ist auch medizinisch gesehen wirklich und wahrhaftig wertvoll! Diese wundervollen Menschen spielen Minigolf, spielen Turniere mit und trainieren oft. Diese Leute sind zum Beispiel aktive Ruheständler, die das eine oder andere Zipperlein haben aber noch nicht zum alten Eisen gehören wollen und immer für einen Rat gut sind,  junge Menschen die begeistert bei der Sache sind und andere mitreißen können und alle sind ganz normal, alles Leute wie du und ich.  
Vielleicht denkt ihr mal darüber nach,  ..., der Verein sucht immer Nachwuchs, sei es in der Jugendabteilung, Damen und Herren oder auch bei den Senioren. Ein Sport also für die ganze Familie. Vielleicht gefällt es euch und ihr werdet auch ein „Minigolfer".
Bei Interesse meldet euch doch einfach mal zu einem Probetraining.
In diesem Sinne: Gut Schlag!